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Schweden – Das Eishotel

“Schlaf gut und träum was Schönes“, sagt Finns Mama. Sie streicht ihm die Haare aus dem Gesicht, zieht die Bettdecke etwas höher, so dass sie ihm bis unter das Kinn reicht, und gibt ihm einen Kuss.
„Ich bin doch noch gar nicht müde“, sagt Finn. Da lacht seine Mama, streicht ihm sanft über die Wange und macht die Nachttischlampe aus.
Als sie aus seinem Zimmer geht, lässt sie die Tür einen Spalt breit offen stehen, damit das Licht aus dem Flur ins Zimmer fällt.
Als Finn so im Dunkeln liegt, sieht er sich in seinem Zimmer um.
Er erkennt den Schreibtisch, an dem er heute das schöne Bild von der Palmeninsel gemalt hat. Und seinen Globus, auf dem er sich die ganze Welt ansehen und mit dem Finger in ferne Länder reisen kann.
Und er sieht die vielen Bücher, die in seinem Regal stehen. Tolle Geschichten sind in diesen Büchern, von Piraten und Schatzinseln, von wilden Pferden und Cowboys, oder von Astronauten auf dem Mond. Finn denkt an all die tollen Abenteuer, die ihm seine Mutter aus diesen Büchern schon vorgelesen hat.
Doch dann wird er ganz müde. Und als er die Augen schließt, hört er plötzlich ein Knistern ganz in seiner Nähe.
Finn erschrickt. Er ist auf einmal hellwach und macht die Augen ganz weit auf, damit er im Dunkeln besser sehen kann. Vorsichtig setzt er sich im Bett auf und sieht sich um.
Da hört er es wieder, dieses Knistern, diesmal ganz nah. Und dann sieht er etwas über seine Bettdecke huschen.
Finn bekommt Angst. Schnell greift er zur Nachttischlampe und knipst das Licht an. Und da sieht er es: Auf seiner Bettdecke sitzt eine kleine Maus.
Aber irgendwie ist das keine normale Maus: Diese Maus hat eine Sonnenbrille auf, ein bunt gemustertes Hawaiihemd an und viel zu große Turnschuhe an den Füßen. Außerdem geht sie auf zwei Beinen wie ein Mensch und trägt einen Koffer in der Hand.

„Wer bist du denn?“, fragt Finn vorsichtig.
„Ähm, ich? Ich bin Hannibal. Entschuldige, wenn ich dich aufgeweckt habe“, sagt die Maus mit einer erstaunlich lauten Stimme.
„Und was machst du hier?“, fragt Finn, der inzwischen keine Angst mehr hat, denn die Maus scheint richtig nett zu sein.
„Ich bin auf der Durchreise. Ich möchte eigentlich nach Amerika, aber irgendwie bin ich hier in deinem Zimmer gelandet. Ich weiß auch nicht, wie das passiert ist“, wundert sich Hannibal und kratzt sich mit seiner Pfote am Kopf.
„Nach Amerika?“, fragt Finn ganz aufgeregt. Von Amerika hat er schon viel in seinen Büchern gelesen.
„Klar“ sagt Hannibal. „Ich bin eine Weltenbummler-Maus“.
„Was bedeutet das denn?“, fragt Finn.
„Na, dass ich um die Welt reise. Mir die fernen Länder ansehe und so.“
Finn nickt. Er würde auch gerne um die Welt herum bummeln. Dann könnte er sich echte Cowboys ansehen und echte Piraten. Zumindest von weitem, denn die sollen ja ganz schön gefährlich sein.

„Möchtest du mitkommen?“, fragt Hannibal plötzlich, und Finn erschrickt.
„Ich?“, fragt er erstaunt.
Er denkt einen Augenblick nach. Dann antwortet er: „Das, das geht nicht, meine Mama würde mir das nie erlauben.“
„Keine Sorge, bis Mitternacht bist du spätestens zurück“, sagt Hannibal, schiebt die Sonnenbrille auf seiner Nase zurecht und sieht Finn fragend an.
„Wirklich?“, fragt Finn, und seine Augen funkeln.
„Klar!“, antwortet Hannibal. „Kuck doch mal, was ich mitgebracht habe!“, ruft er und läuft so schnell es geht zu Finns Gesicht.
In seiner Hand jongliert er einen tropfenden Eiswürfel.
Finn setzt sich in seinem Bett auf und sieht seinen neuen kleinen Freund neugierig an.
„Was soll ich denn damit?“, fragt Finn und blickt verdutzt auf den  Eiswürfel.
„Das wirst du schon sehen“, sagt Hannibal lachend und drückt Finn den Eiswürfel in die Hand.

Kaum hat Finn den glitschigen und kalten Eiswürfel berührt, hört er schon wieder ein lautes Knistern.
Er fühlt sich, als würde er auf bunten Wolken schweben. Doch im nächsten Moment plumpst er auch schon auf den Boden.
Ist er aus dem Bett gefallen?
Nein. Denn der Boden ist ganz hart und bitterkalt, ganz anders als der flauschige blaue Teppichboden in seinem Kinderzimmer.
Seine Reise im Schlafanzug hat begonnen. Aber wo mag er nur gelandet sein?
Das muss er erst noch herausfinden.

Finn steht auf und klopft sich den Schnee von der Schlafanzughose.
Als er sich umsieht, staunt er. Er ist in einem Hotel gelandet. Aber das ist kein gewöhnliches Hotel. Es ist ein Hotel, das ganz und gar aus Eis und Schnee gebaut ist.
„Brrr, ist das kalt hier“, sagt Finn und bibbert mit den Zähnen.
Er schiebt den Eiswürfel, den Hannibal ihm gegeben hat, in die Hosentasche seines Schlafanzugs. Dann reibt er sich die Hände, hält sie wie eine Muschel vor den Mund und haucht warmen Atem hinein. Aber richtig warm wird ihm davon immer noch nicht.
„Hannibal, ich will wieder weg, es ist so kalt hier!“, bettelt er.
Hannibal lächelt ihn an. „Ich habe an alles gedacht“, sagt er und stellt seinen kleinen Reisekoffer auf den Boden.
Er macht ihn auf und zieht für Finn zwei warme Fellpantoffeln, einen Schneeanzug, einen Schal und ein paar dicke Fäustlinge heraus. Für sich selbst holt er einen winzigen Pelzmantel und flauschige gelbe Ohrenschützer heraus.
Finn staunt, was alles in diesen kleinen Wunderkoffer hineinpasst.
Während sie sich anziehen, sieht Finn sich noch einmal um.
„Wo sind wir denn? Am Nordpol?“, fragt er Hannibal.
„Fast“, sagt Hannibal. „Wir sind ganz im hohen Norden von Schweden, in Nord-Lappland.“
Dort ist es im Winter kälter als im Gefrierschrank. Und deswegen frieren dort sogar die Flüsse zu. Für die Hotelbauer ist das hervorragend. Denn sie können dann dicke Eisblöcke aus dem gefrorenen Fluss schlagen. Und mit diesen Blöcken bauen sie das ganze Hotel. Aber nicht nur die Wände machen sie aus Eis und Schnee, sondern auch die Betten, Tische und Sessel.

„Was ist das denn?“, fragt Finn und deutet auf ein Wikingerschiff, das mitten im Zimmer steht. Es sieht aus als wäre es aus Glas.
„Das ist ein Bett aus Eis, da kann man drin schlafen“, sagt Hannibal.
Doch Finn sieht ihn zweifelnd an.
„Es ist hier doch viel zu kalt zum Schlafen“, sagt er.
Aber Hannibal ist auch jetzt gut ausgerüstet. Aus seinem kleinen Koffer zieht er einen dicken Daunen-Schlafsack. Er klettert auf das Bett und kuschelt sich in den Schlafsack ein. Finn setzt sich neben ihn auf das harte, eisige Bett, das mit einem Rentierfell bedeckt ist. Er sieht sich genauer um.

Das Zimmer hat keine Tür, sondern nur einen Vorhang aus Fell. Darüber lächelt ein Elch auf Finn herab. Aber der Elch ist nicht echt, sondern auch aus Eis. In der Ecke steht ein Schwan, natürlich auch aus Eis, und ein großer Eisblock, auf dem einige Getränke stehen.
„Willst du etwas trinken, Hannibal?“, fragt Finn.
Doch als er versucht, Apfelsaft in ein Eisglas zu gießen, stellt er fest, dass der Saft gefroren ist.
Als Hannibal das sieht, lacht er. „Da musst du wohl bis zum Sommer warten, bis du den trinken kannst“, sagt er.
Und da kommt Finn eine Frage in den Sinn. „Was passiert eigentlich mit dem Hotel, wenn es im Sommer wieder warm wird?“, grübelt er laut.
„Dann schmilzt das ganze Hotel, und im Winter wird es aus neuem Eis wieder aufgebaut“, erzählt Hannibal.

Da fällt Finn der Eiswürfel wieder ein, den er vorhin in seine Schlafanzugtasche gesteckt hat.
Aber als er in die Tasche greift, ist sein Schlafanzug dort nur noch nass und kalt. Der Eiswürfel ist geschmolzen. Kaum hat er das entdeckt, zupft Hannibal, der wieder aus seinem Schlafsack gekrochen ist, Finn am Ohr.
„Komm, wir müssen gehen, es ist schon spät!“, sagt er.
Und plötzlich hört Finn wieder das laute Knistern und schwebt auf den bunten Wolken, die ihn schnell nach Hause in sein weiches warmes Bett tragen. Er ist müde geworden und kuschelt sich mit Hannibal ganz tief in seine Daunendecke ein. Nach so einem Abenteuer muss man sich erst einmal ausruhen.

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3 Responses to “Schweden – Das Eishotel”

  1. [...] der Geschichten mit dem kleinen Finn kann und darf uebrigens hier gratis vorgehoert und gelesen (bzw. als PDF heruntergeladen) [...]

  2. [...] zusammen oder auch einzeln, als Hör- oder auch normale Buchversion – zwei Gute-Nacht-Geschichten (Schweden & Vereinigte Arabische Emirate) können schon kostenlos als PDF heruntergeladen und vorgelesen [...]

  3. [...] in München ) und Jasmin Hagmann sind geistige Mütter dieser Geschichte und nach dem ersten Lauschen der Hörprobe kann ich kaum warten bis meine Tochter alt genug ist, solche Geschichten nun wirklich zu würdigen. [...]